Methode

Das Weimarer Mentoring-Programm ist ein konsequent inklusiv gedachtes Praxiskonzept unter Berücksichtigung der soziokulturellen und sozioökonomischen Vielfalt in der Lebenswelt der Kinder.

Das Programm wird wesentlich geprägt von fünf zentralen Punkten:

  1. Der Umgang der pädagogischen Fachkraft mit den Kindern ist vorurteilsbewusst und selbstreflexiv. Der Kontakt mit den Kindern wird permanent gehalten.
  2. Die pädagogische Fachkraft geht mit den individuellen Bedürfnissen und der individuellen Aufmerksamkeitsspanne eines jeden Kindes sensibel um.
  3. In einem definierten Rahmen wird den Kindern das Erleben von positiver und eigengestalteter Freiheit innerhalb der Gruppe ermöglicht.
  4. Die Beziehung zwischen Kind, Kindergruppe und pädagogischer Fachkraft ist geprägt von einem stabilen und tragfähigen Vertrauensverhältnis. Es erfolgt keine Verhaltensregulierung durch permanente Maßregelungen, Bloßstellung u.ä.
  5. Das Kind wird als Individuum und Teil einer sozialen Gruppe wahrgenommen und trägt zur Förderung und Umsetzung von Partizipation, Teilhabe sowie Ko-Konstruktion bei.

Ziel des Programms ist die Professionalisierung der pädagogischen Fachkräfte und die ganzheitliche Entwicklungsförderung von Kindern im Kindergarten. Durch das Mentoring-Programm werden die pädagogischen Fachkräfte in die Lage versetzt, selbstständig und regelmäßig ein strukturiertes musikpädagogisches Angebot als Teil des Alltags anzubieten und durchzuführen.

Inhaltlich basiert das Weimarer Mentoring-Programm auf den folgenden Komponenten:

Aktivitäten (Lieder, Tänze, Bewegungen und Geschichten), diese können vielfältig und individuell kombiniert und variiert werden, um als gelingende Methode im Kita-Alltag Anwendung zu finden

  • umfassen Lieder, Tänze und (Bewegungs-)Geschichten
  • können nach Abschluss des Mentoring im Alltag mit Leichtigkeit zum Einsatz gebracht werden
  • können vielfältig und individuell kombiniert, variiert und moduliert werden

Material (Liederbuch mit allen Aktivitäten und CD, Klanghölzer, Tücher, Glöckchen und Trommeln)

  • Praxishandbuch für pädagogische Fachkräfte Teil 1 (0 bis 2 Jahre) und Praxishandbuch für pädagogische Fachkräfte Teil 2 (2 bis 6 Jahre), inkl. CDs, mit Texten, Beschreibungen und Anregungen zu allen Aktivitäten
  • Klanghölzer, Tücher, Glöckchen, Trommeln und CD-Player

Für die Durchführung des Mentorings stellt die Kita einen reizarmen Raum für (altersgemischte) Kindergruppen bis ca. 16 Kinder zur Verfügung.

Mentoring (Coaching und Weiterbildung)

  • das Mentoring besteht aus dem Gruppenunterricht, Einzelgesprächen und Weiterbildungen
  • während der achtmonatigen Praxisphase wird jede pädagogische Fachkraft durch den Mentor zwei Mal wöchentlich gemeinsam mit der jeweiligen Kindergruppe für 30 Minuten begleitet
  • während der Begleitungsphase selbstständige Durchführung der Einheiten durch die pädagogischen Fachkräfte und 4  2-stündige Weiterbildungen

Haltung und Reflexion

  • Förderung des Vorurteils- und Diversitätsbewusstsein sowie der Selbstreflexionsfähigkeit
  • Haltungs- und Verständnissensibilisierung im Kita-Alltag

Als Praxiseinrichtung zur Konzipierung und Erprobung des WMP stand seit 2015 die Kita „Kinderland“ (JUL) in Weimar zur Verfügung. Dort werden von 29 pädagogischen Fachkräften insgesamt 175 Kinder zwischen drei Monaten bis zum Schuleintritt betreut, gefördert und gebildet. Es handelt sich hierbei um ein soziokulturell und sozioökonomisch sehr vielfältiges Umfeld. Seit Juni 2017 sind die pädagogischen Fachkräfte sowie die Einrichtung WMP-zertifiziert und wirken aktiv an der Weiterentwicklung des Programms mit.

Seit Herbst 2017 wird das Programm in weiteren Kindertageseinrichtungen bundesweit angeboten, durchgeführt und weiterentwickelt. Die Heyge-Stiftung stellt den Einrichtungen hierzu einen Mentor an die Seite, welcher die achtmonatige Praxisphase und die darauf folgende Begleitungsphase gemeinsam mit dem pädagogischen Team der jeweiligen Einrichtung absolviert.