Grundannahmen

Haltung / Gemeinsam aktiv musizieren / Struktur / Bild vom Kind

Auf welchen Grundannahmen basiert das Weimarer Mentoring-Programm?

Pädagogische Haltung

„Musik ist ein wunderbares Mittel. Ich kann alles vermitteln durch Musik, aber ich weiß, es ist nicht das Lied selbst oder die Aktivität, sondern die Art, in der man es macht, darum geht es.“

Kinder benötigen zum Lernen und für ihre Entwicklung insbesondere eine angstfreie Atmosphäre und eine verlässliche, vertrauensvolle Beziehung zu ihren Bezugspersonen. Die nachfolgend beschriebene Haltung ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Umsetzung des Weimarer Mentoring-Programms:

  1. Permanenter Kontakt mit der Gruppe
    Die pädagogische Fachkraft ist im Umgang mit den Kindern möglichst vorurteilsbewusst und selbstreflexiv. Sie versucht, den Kontakt zu den Kindern permanent zu halten.
  2. Sensibler Umgang mit der Aufmerksamkeitsspanne (Abwechslung – Wiederholung)
    Die pädagogische Fachkraft geht mit den individuellen Bedürfnissen und der individuellen Aufmerksamkeitsspanne eines jeden Kindes sensibel um. Sie „erwischt“ das Kind bei seinen individuellen Erfolgen und kann dies wertschätzend zum Ausdruck bringen.
  3. Freiheit in einem definierten Rahmen
    Die pädagogische Fachkraft ermöglicht den Kindern, in einem gemeinsam definierten Rahmen, das Erleben von positiver und eigengestalteter Freiheit.
  4. Vertrauensverhältnis statt Maßregelung
    Die pädagogische Fachkraft sorgt gemeinsam mit den Kindern für ein stabiles und tragfähiges Vertrauensverhältnis in der Gruppe. Sie verzichtet auf Verhaltensregulierungen durch permanente Maßregelungen oder Bloßstellungen.
  5. Balance zwischen Individuum und Gruppe
    Die pädagogische Fachkraft versteht sich selbst und auch die Kinder als Individuen innerhalb einer sozialen Gruppe. Jeder trägt als Teil der Gruppe zur Förderung und Umsetzung von Partizipation, Teilhabe und Ko-Konstruktion bei.

Gemeinsam aktiv musizieren

„Musik wirkt sich positiv auf die gesamte Entwicklung aus. Kinder sollen ohne vorgegebene Leistungserwartungen die Gelegenheit dazu bekommen, Musik aufzunehmen und Musik selbst zu gestalten.“

Sowohl die pädagogischen Fachkräfte als auch die Kinder werden im Rahmen des Mentoring-Programms mit musikalischen Kinderspielen vertraut gemacht und spielerisch zum Musizieren angeregt. Das Programm liefert hierfür eine umfassende und aufeinander aufbauende Methodik für eine ganzheitliche Musikerfahrung für Körper, Geist und Seele. Gerade das Vorsingen durch eine vertraute Bezugsperson ist für das Kind der stärkste Anreiz zum eigenen Singen.

  • Zusammen zu musizieren ist ein ideales Mittel, um als Gemeinschaft zusammenzuwachsen.
    Kinder und pädagogische Fachkräfte können mittels musikalischer Aktivitäten positive und schöne Erfahrungen gemeinsam machen. Die pädagogischen Fachkräfte erleben die Begeisterung der Kinder für Musik, für Bewegung und für ein Lied direkt und verstehen dadurch schnell, wie angenehm einfach die Aktivtäten sein können. Musikalische Spiele fördern soziales Miteinander und Inklusion.
  • Musik gehört in den Alltag von Kindergarten und -krippe
    Alle Kinder sind musikalisch und besitzen eine angeborene Fähigkeit zum Singen und zur rhythmischen Bewegung. Aktives Musizieren bringt große Freude, für Kinder und Erwachsene im gleichen Maße.
  • Musik trifft die Bedürfnisse der Kinder.
    Die Sinne sind das Fenster des Kindes zur Welt. Gerade im musikalischen Spiel werden die Sinne umfassend angesprochen. Diese individuell zu fördern, aber nicht zu überreizen, ist tagtäglich eine große Herausforderung für die pädagogischen Fachkräfte. Ein zentraler Aspekt ist die Bewegung und der Bewegungsdrang von Kindern. Kinder müssen sich bewegen. Kinder lernen durch Bewegung.  Kinder wollen sich bewegen! Auch hierbei sind Pädagogen immer wieder gefordert, den Spagat zwischen individueller Bewegungsfreiheit und gemeinsamen Gruppenregeln im Alltag umzusetzen.  Beim Musizieren ist Bewegung immer dabei. Schließlich trägt Musik dazu bei, Stress für alle – Kinder und Erwachsene zugleich – zu vermeiden.
  • Musik macht den Unterschied.
    Wenn Kinder musizieren, macht dies einen bedeutenden Unterschied für ihre Entwicklung in vielen Bereichen aus: Sprache, Motorik, kognitive Fähigkeiten und aktives Zuhören. Dazu fördert Musik Unabhängigkeit, Gemeinschaft, Aufmerksamkeit und Frustrationstoleranz.

Das Weimarer Mentoring-Programm bietet eine Sammlung von einfachen musikalischen Aktivitäten – altbewährte Lieder, die Kinder und Erwachsene seit Generationen miteinander singen, aber auch neue Lieder, Lieder aus verschiedenen Kulturkreisen. Das Zusammenleben in der Einrichtung wird sich durch das gemeinsame Singen und Spielen verändern, das Wir-Gefühl wird gestärkt und die Bindung zwischen Kindern und Pädagogen wird intensiver.

Strukturiert vorgehen: Planung – Beobachtung – Anpassung

„Gehen Sie nie in eine Stunde ohne einen Plan, aber seien Sie immer bereit, Ihren Plan zu ändern.“

Eine geplante und strukturierte Vorgehensweise ist entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung des Weimarer Mentoring-Programms. Die Aneignung des musikalischen Repertoires mit Hilfe der Mentor/innen steht in den ersten acht Monaten im Vordergrund und erfolgt anhand durchdachter, aufeinander aufbauender Wochenpläne. Das Praxishandbuch dient dabei als Leitfaden. Einfachheit, Abwechslung und Wiederholung bei den Aktivitäten dienen der Motivation und führen zur Festigung.

Die häufige Ausübung der Aktivitäten zusammen mit den Kindern sowie die zunehmend eigenständige Anleitung der Gruppe durch die pädagogische Fachkraft führen zur Verinnerlichung der Aktivitäten. Die Sicherheit im Repertoire bietet der pädagogischen Fachkraft schließlich eine neue Freiheit: Sie geht in ihre Gruppe mit einem Plan, ist aber fähig, ihn der Situation anzupassen.

Die Natur des Kleinkindes – unser Bild vom Kind

„Die ersten sechs Lebensjahre sind die wichtigsten für die geistig-seelische Formung des Menschen“, daher fokussiert sich das Weimarer Mentoring-Programm auf eben jene Zielgruppe. Kinder im Vorschulalter können unbewusst jeden Aspekt aus ihrer Umwelt aufnehmen und haben dabei eine Reihe von Entwicklungsaufgaben – wie bspw. die Entwicklung des Selbstbewusstseins und die Abtrennung von anderen – zu bewältigen. Die Zeit von der Geburt bis zum Alter von sechs Jahren, „kann (also) wahrhaftig als eine Periode der kreativen Bildung betrachtet werden, die das Fundament für die Persönlichkeit legt und die Identität aufbaut.“

Dabei sind die Sinne das Fenster des Kindes zur Welt. Diese individuell zu fördern, aber nicht zu überreizen, ist tagtäglich eine große Herausforderung für die pädagogischen Fachkräfte. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Bewegung und der Bewegungsdrang von Kindern. „Kinder müssen sich bewegen. Kinder lernen durch Bewegung“. Auch hierbei sind Pädagogen immer wieder gefordert, den Spagat zwischen individueller Bewegungsfreiheit und gemeinsamen Gruppenregeln im Alltag umzusetzen.

Hören ist der wichtigste Sinneskanal für das Lernen und absolute Grundvoraussetzung für den Spracherwerb. Das Formen der Sprache ist eine der größten Entwicklungsaufgaben für das Kind. Dieses hat eine natürliche Neigung zu Ordnung und Wiederholung. Nur durch Struktur und Wiederholung von bekannten und vertrauten Inhalten sind positive Lernerfahrungen möglich. Dabei sind letztlich Unabhängigkeit und Eigeninitiative die Quintessenz des Lernens.

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